Nach dem 29. Spieltag der Bundesliga 2025/26 bleiben nur noch fünf Spieltage — für Köln und St. Pauli, die sich gestern im Freitagsspiel 1:1 trennten, sogar nur vier. Die Tabelle ist in vielen Bereichen noch offen: Die Meisterschaft ist praktisch entschieden, doch die Plätze für die Champions League, die Europa League und der Abstiegskampf sind noch alles andere als klar. Entscheidend wird das Restprogramm sein.
Die entscheidenden Faktoren: Schwierigkeit und Punkteabstand
Die Analyse der verbleibenden Spiele zeigt deutliche Unterschiede in der Belastung der Teams. Der Schwierigkeitsgrad kombiniert die Qualität der Gegner (gemessen an der durchschnittlichen Tabellenposition der verbleibenden Gegner) mit der Anzahl der Heim- und Auswärtsspiele. Ein höherer Wert bedeutet ein schwereres Restprogramm.
Frankfurt hat nicht nur das schwerste Programm aller Teams, sondern auch die stärksten verbleibenden Gegner im Schnitt (Durchschnittsplatzierung der Gegner: Platz 6,4). Maximal können die Adler noch 57 Punkte erreichen — doch der Weg dorthin ist der härteste der Liga.
Meisterschaft: Bayern praktisch sicher, Dortmund theoretisch noch möglich
Bayern München führt mit 76 Punkten, dem Rekordmeister reicht rechnerisch am 30. Spieltag ein weiterer Punkt für den Titel (dafür müsste Dortmund zudem in Hoffenheim verlieren). Doch selbst bei fünf Niederlagen in den letzten Spielen scheint ein Meistertitel nur durch ein extrem unwahrscheinliches Szenario gefährdet.
Der BVB (64 Punkte) könnte theoretisch noch aufholen, müsste dafür aber mindestens vier Spiele gewinnen und eines Unentschieden spielen, während Bayern alle verliert. Praktisch ist dieser Fall ausgeschlossen.
Bayern profitiert zudem von einem der leichtesten Restprogramme (Schwierigkeitsgrad: 4,30, Gegner-Durchschnittsplatzierung: Platz 11,8). Für die Torrekord-Jagd ist das ideal — für die Meisterschaft ohnehin irrelevant.
Champions League: Stuttgart vs. Leipzig und das Restprogramm als Entscheidungskriterium
VfB Stuttgart (56 Punkte, Platz 3) und RB Leipzig (56 Punkte, Platz 4) sind punktgleich und treffen nicht mehr direkt aufeinander. Doch während Leipzig mit einem Schwierigkeitsgrad von 5,10 und einem Gegner-Durchschnitt von Platz 9,4 ein deutlich leichteres Restprogramm hat, muss Stuttgart gegen stärkere Gegner antreten (Schwierigkeitsgrad: 6,40, Gegner-Durchschnitt: Platz 6,8).
Leverkusen (52 Punkte, Platz 5) und Hoffenheim (51 Punkte, Platz 6) könnten noch aufschließen. Leverkusen hat mit einem Schwierigkeitsgrad von 5,72 zwar ein schwereres Programm als Hoffenheim (5,40), verfügt aber über drei Heimspiele in den letzten fünf Runden.
Europa League: Frankfurt kämpft gegen das schwerste Programm, Freiburg hat die besseren Karten
Eintracht Frankfurt (42 Punkte, Platz 7) hat nicht nur das schwerste Restprogramm aller Teams, sondern auch die unangenehmste Ausgangslage: Neun Punkte trennen die Adler noch von Platz 6, dem letzten regulären Europapokal-Rang — und die verbleibenden Gegner sind im Schnitt die stärksten der Liga.
Es gibt jedoch einen Joker: den DFB-Pokal. Sollten beide Finalisten bereits über ihre Ligaplatzierung für Europa qualifiziert sein — als Kandidaten gelten derzeit Bayern, Stuttgart und Leverkusen — rückt ein zusätzlicher Startplatz nach unten durch: Platz 6 würde dann die Europa League bedeuten, Platz 7 die Conference-League-Play-offs.
Der SC Freiburg (40 Punkte, Platz 8) liegt nur zwei Punkte zurück und hat mit einem Schwierigkeitsgrad von 4,84 ein deutlich leichteres Restprogramm. Freiburg ist damit der klare Favorit, Frankfurt noch zu überholen, könnte Europa aber auch über den Gewinn des DFB-Pokals erreichen. Im Halbfinale treffen die Freiburger auf den VfB.
Abstiegskampf: Heidenheim, Wolfsburg und St. Pauli in der kritischen Zone
Der 1. FC Heidenheim (19 Punkte, Platz 18) und VfL Wolfsburg (21 Punkte, Platz 17) stehen aktuell in der direkten Abstiegszone. Beide Teams brauchen nahezu alle verbleibenden Spiele als Siege, um den Klassenerhalt zu sichern.
Heidenheim hat mit einem Schwierigkeitsgrad von 5,49 ein vergleichsweise schweres Programm für einen Abstiegskandidaten. St. Pauli (26 Punkte, Platz 16) hat nur noch vier Spiele zu bestreiten und kann maximal 38 Punkte erreichen — mit zwei direkten Duellen gegen Abstiegskonkurrenten haben es die Paulianer selbst in der Hand.
Werder Bremen (28 Punkte, Platz 15) ist ebenfalls noch nicht sicher und hat mit einem Schwierigkeitsgrad von 6,26 das drittschwerste Restprogramm aller Teams. Besonders kritisch: Ein direktes Duell gegen einen Abstiegskonkurrenten steht noch aus.
Borussia Mönchengladbach (30 Punkte, Platz 14) hat zwei direkte Duelle in den verbleibenden fünf Spielen und muss Punkte sammeln, um sich von den Abstiegsrängen abzusetzen.
Wer profitiert noch vom Restprogramm?
- Bayern München hat das leichteste Restprogramm und kann sich auf die Torrekord-Jagd konzentrieren.
- RB Leipzig hat im Kampf um Platz 3 ein deutlich leichteres Restprogramm als Stuttgart und ist damit Favorit.
- SC Freiburg hat die besten Karten, Frankfurt noch in der Europa-League-Jagd zu überholen.
- Werder Bremen kämpft nicht nur gegen den Abstieg, sondern auch gegen das drittschwerste Restprogramm der Liga.
- Eintracht Frankfurt muss gegen das schwerste Restprogramm der Liga antreten, um die Europa League noch zu erreichen - oder auf den DFB-Pokal als Joker hoffen.
Fazit: Fünf Spieltage vor Saisonende sind in der Bundesliga 2025/26 vor allem im Rennen um die internationalen Plätze und im Abstiegskampf noch zahlreiche Entscheidungen offen. Während Bayern München den Titel kaum noch aus der Hand geben dürfte, verspricht besonders das Duell um die Champions-League-Ränge zwischen Stuttgart, Leipzig, Leverkusen und Hoffenheim Spannung bis zum Schluss.
Auch dahinter könnte das Restprogramm zum entscheidenden Faktor werden: Freiburg besitzt gute Chancen, noch Boden gutzumachen, während Frankfurt trotz schwieriger Ausgangslage auf eine späte Aufholjagd hoffen darf. Im Tabellenkeller wiederum zählt für Heidenheim, Wolfsburg, St. Pauli und Bremen nahezu jeder Punkt. Die kommenden Wochen dürften zeigen, wie viel Einfluss das Restprogramm am Ende tatsächlich hat.